Trentino-Südtirol ist die italienische Region mit dem reifsten Tourismus, was zwei gegensätzliche Dinge bedeutet: überall hohe Standards und berühmte Täler (Gadertal, Gröden, Sonnental) überlaufen von Massentourismus. Doch es ist die Region mit den meisten bewohnten Tälern Italiens, und neben jedem bekannten Tal gibt es ein paralleles, weniger frequentiertes und ebenso schönes.
Diese Anleitung stellt die Täler vor, die Südtiroler selbst wählen, um der Menge zu entgehen.
Südtirol: das Villnöss-Tal, die Dolomiten ohne Gröden
Das Villnöss-Tal liegt hinter dem Passo Giau und den Geislergruppen, denselben Gipfeln, die von Gröden aus fünfzig Euro pro Bergbahn kosten. Von hier aus sieht man sie kostenlos, beim Wandern von den Dörfern Santa Maddalena und San Pietro. Der Adolf-Munkel-Weg ist einer der spektakulärsten Wanderwege der Dolomiten und im August völlig ohne Wartezeiten zu gehen.
Reinhold Messner eröffnete hier sein erstes Messner Mountain Museum. Das ist kein Zufall: Dies ist das Tal, in dem man versteht, was die Dolomiten wirklich sind, bevor sie zu einem Themenpark wurden.
Das Puster- und Ahrntal, der äußerste Norden

Oberhalb von Bruneck, wo die Täler enden und die österreichische Grenze beginnt, liegt das Puster-Ahrntal: das nördlichste bewohnte Tal Italiens. Riva-Wasserfälle, der Naturlehrpfad, der Antholzer See. Im Winter ist es die am wenigsten bekannte Basis für die Drei Zinnen, im Sommer einer der kühlsten Orte der Alpen.
Der Dialekt hier ist fast österreichisch, alle Nachnamen sind deutsch, Italienisch spricht man aus Höflichkeit. Dies ist der mitteleuropäischste Teil Italiens.
Trentino: das Cembra-Tal, das Tal der Steillagen-Weinberge

Zwischen Trient und dem Fleimstal liegt ein Tal, das der klassische Tourismus übersieht: das Cembra-Tal. Terrassierte Weinberge an senkrechten Porphyrwänden, der Müller-Thurgau, der hier seine besten italienischen Ergebnisse liefert, mittelalterliche Dörfer wie Cembra und Lisignago.
Der Dürer-Weg durchquert das Tal: Albrecht Dürer kam 1494 hier vorbei und zeichnete die Landschaften, heute wandert man durch fast unveränderte Orte. Eine Tageswanderung durch Weinberge und Kastanienwälder mit Kostung in Familienweingütern am Ende.
Vallarsa, das vergessene Tal

Vallarsa ist ein Tal in Südtrentino, eine Stunde von Verona entfernt, aber touristisch nicht existent. Wälder des Pasubio, Straße der 52 Galerien, Gedenkstätten des Ersten Weltkriegs. Es ist die ideale Basis für alle, die Wanderungen mit Kriegsgeschichte verbinden: Hier wurde einer der härtesten Kriege der Alpenfront ausgefochten, und die Kriegspfade sind noch begehbar und gepflegt.
Was man essen sollte
Südtirol kocht deutsch mit italienischen Varianten: Knödel, dickgeschnittener Speck, Apfelstrudel, Bergweiß. Trentino ist arme Bergküche: Polenta, Almkäse, Carne Salada (mariniertes rohes Rindfleisch), Brennnessel-Spätzle. Jedes Tal hat mindestens eine öffentlich zugängliche Käserei, und der Zeitaufwand lohnt sich immer.
Beste Reisezeit
Sommer (Juni bis September) für Wanderungen. September ist perfekt: keine Menschenmassen, Almen noch offen, erste Farben. Winter zum Skifahren, Dezember bis März ist Hochsaison. Mai und Oktober sind Übergangsmonate, viele Höhenunterkünfte schließen. Weihnachtsmärkte (November bis Januar) sind die vollste Zeit nach August.
Wie man sich fortbewegt
✓ Das Auto ist die flexibelste Wahl, aber die Pustertalbahn und die SAD-Linien sind effizient.✓ Seitentäler erreichst du nur mit Auto: Busse fahren bis zu den Talhauptorten, dann brauchst du ein eigenes Fahrzeug.✓ Die Mobilcard Südtirol deckt Züge und Regionalbuslinien ab, lohnt sich, wenn du in einem Tal Basis machst.
Zusammengefasst
Trentino-Südtirol hat einen organisierten Tourismus wie keine andere italienische Region, und das hat zwei unterschiedliche Kreisläufe geschaffen: den überlaufenen der berühmten Täler und den parallelen, wo Südtiroler selbst hingehen. Unabhängige Unterkünfte sind der Schlüssel zum zweiten Kreislauf: Wer dich beherbergt, sagt dir, welche Alm noch aktiv ist, welcher Weg weniger begangen ist, welches Weingut einen Umweg wert ist.