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Die schönsten Strände der Abruzzen: Komplettführer zur Adriaküste
Abruzzo

Die schönsten Strände der Abruzzen: Komplettführer zur Adriaküste

06 giugno 20265 min di lettura

Die Abruzzen gehören zu Italiens unterschätzten Küstenregionen. Zweihundert Kilometer Adriaküste, sauberes Wasser, Kies- und Sandstrände mit ganz unterschiedlichem Charakter, und eine Besonderheit, die es sonst nirgendwo gibt: das Meer ist von den Bergen sichtbar und die Berge vom Meer aus. Der Gran Sasso, höchster Gipfel der Apenninen, überragt die Strände um mehr als zweitausend Meter.

Wer eine italienische Küste ohne die Preise und Menschenmassen bekannter Destinationen sucht, findet hier genau das Richtige.

Warum die Abruzzen zum Badeurlaub wählen

Der erste Grund ist die Wasserqualität. Die Abruzzen haben historisch eine der höchsten Quoten an Blauen Flaggen in Italien, dem europäischen Gütesiegel für saubere Badewässer und nachaltige Küstenverwaltung. Nicht alle Strände erhalten es jedes Jahr, aber der Durchschnitt ist hoch und der Trend konstant.

Der zweite Grund ist die Vielfalt. Auf zweihundert Kilometern finden sich vollständig ausgestattete Strandbäder mit allen Services, kaum zugängliche freie Strände, weiße Felsklippen über dem Meer, Kiefernwälder bis ans Wasser und die Trabocchi, jene Pfahlbau-Fischfallen, die zum Symbol der abruzzischen Küstenlandschaft geworden sind.

Der dritte Grund ist weniger offensichtlich, aber geografisch entscheidend. Die Abruzzen liegen näher an Adria und Zentralapenninen als jede andere italienische Region. Das bedeutet, morgens im Meer baden und nachmittags in einem Nationalpark wandern, alles an einem Tag. Der Nationalpark Abruzzen, der Nationalpark Majella und der Nationalpark Gran Sasso sind alle in weniger als zwei Stunden von der Küste erreichbar.

Die Costa dei Trabocchi

Der meistfotografierte und erkennbarste Küstenabschnitt der Abruzzen erstreckt sich von Ortona bis Vasto im südlichen Teil der Region. Hier ist das Ufer schmal, die Bahnlinie und später der Radweg verlaufen parallel zum Meer, und jedes Kap trägt einen oder mehrere Trabocchi.

Trabocchi sind hölzerne Pfahlbaukonstruktionen, an den Felsen befestigt, mit hölzernen Armen, die sich übers Meer erstrecken und Netze halten, die mit einem Gegengewichtssystem hochgezogen werden. Es sind uralte Fischfangmethoden, entstanden damit Fischer auch bei rauem Seegang arbeiten konnten, ohne mit dem Boot hinauszufahren. Heute sind viele Trabocchi zu Restaurants umgebaut, wo man frischesten Fisch mit dem Meer unter den Füßen isst.

Die Costa dei Trabocchi hat einen über hundert Kilometer langen Radweg, eine der schönsten Panorama-Radstrecken Italiens, teilweise auf einer alten stillgelegten Bahntrasse. Man fährt mit dem Rad oder wandert, bei jeder Kurve Meerblick.

Die Strände dieses Küstenabschnitts sind teils Kies, teils dunkler Sand. Das Wasser ist tief genug, um auch nah am Ufer durchsichtig zu sein. Zu den beliebtesten Stränden gehören San Vito Chietino, Rocca San Giovanni, Fossacesia und Torino di Sangro.

Pescara und Umgebung: die am besten ausgestatteten Strände

Pescara ist die größte Stadt der Abruzzen und das wichtigste Seebad. Der Stadtstrand ist lang, sandig, mit einer durchgehenden Reihe gut organisierter Strandbäder: Sonnenschirme, Liegen, Duschen, Bars, Parkplätze. Es ist nicht der wildeste Strand der Region, aber der am besten versorgte, ideal für alle, die alles in Reichweite haben möchten.

Nördlich von Pescara, Richtung Silvi Marina und Pineto, ändert die Küste ihren Charakter. Bei Pineto reicht ein jahrhundertealter Kiefernwald fast bis ans Meer, und der Strand ist weniger chaotisch als in der Stadt. Silvi Marina ist eines der historischen Seebäder der Region, mit langem Sandstrand, geschützt durch ein Naturschutzgebiet.

Südlich von Pescara vervollständigen Francavilla al Mare und Ortona das Bild der Zentralküste. Ortona besitzt besonders einen historischen Hafen und eine aragonesische Burg, die die Bucht dominieren, und die Strände des Lido Riccio gehören zu den meistbesuchten der Gegend.

Freie und wilde Strände in den Abruzzen

Wer abseits der ausgetretenen Pfade unterwegs sein möchte, findet in den Abruzzen einige schwer erreichbare, aber außergewöhnliche Strände.

In der Gegend von Punta Aderci bei Vasto schützt ein Naturschutzgebiet einen der unberührtesten Küstenabschnitte der Region. Die Strände Punta Penna und Bagnante erreicht man zu Fuß über einen Pfad durch die Macchia Mediterranea. Das Wasser ist kristallklar, der Untergrund felsig und sandig, und auch im Sommer behalten diese Strände ihren wilden Charakter.

Weiter nördlich, zwischen Lanciano und Ortona, gibt es kleine Buchten, die man nur über steile Fußpfade erreicht. Sie sind nicht ausgeschildert, es gibt keine Services, aber wer sie findet, vergisst sie nicht so leicht.

Freie ausgestattete Strände, also ohne Strandbar, aber mit Mindestausstattung wie Duschen und Umkleideräumen, findet man in fast allen Küstengemeinden. An vielen Orten wechseln sie sich mit privaten Strandbädern ab und ermöglichen Badevergnügen ohne zusätzliche Kosten.

Meer und Berg: der einzigartige Kontrast der Abruzzen

Was die Abruzzen im Vergleich zu anderen italienischen Badedestinationen einzigartig macht, ist nicht nur das Meer. Es ist die Koexistenz mit einem bergigen Hinterland, das zu Europas am besten erhaltenen zählt.

Der Gran Sasso, der höchste Gipfel der Apenninen, ist an klaren Tagen von der Küste aus sichtbar. Der Nationalpark Majella, nicht weit vom Chieti-Küstenstreifen entfernt, ist ein Hochplateau mit Mittelalter-Dörfern, Klippenklöstern und Hochgebirgsweiden. Der Nationalpark Abruzzen, im Herzen der Region, beherbergt noch Marsikerbären, Apenninen-Wölfe und freilebende Hirsche.

Wer eine Woche oder länger Urlaub macht, kann in den Abruzzen ein Reiseprogramm verwirklichen, das in keiner anderen italienischen Region möglich ist: morgens am Strand, nachmittags im Nationalpark, abends in einem Bergdorf mit lokaler Küche. Entfernungen, die anderswo einen ganzen Reisetag kosten würden.

Das gilt auch, wer eine Alternative zu Strandtagen sucht, wenn das Wetter umschlägt oder man Sonne und Wasser mal meiden will. Die Natur- und Kulturziele im Inland sind außergewöhnlich und brauchen keine Vorausplanung.

Meeresküche in den Abruzzen

Ein Strandurlaub in den Abruzzen wäre unvollständig ohne Brodetto alla vastese, den typischen Fischeintopf der südlichen Küste, gekocht mit Tomaten, Chili und reichlich Öl. Jeder Hafen hat seine Version, jeder Koch behauptet, seine sei die Original.

Entlang der Costa dei Trabocchi in einem zum Restaurant umgebauten Trabocco zu essen ist ein Erlebnis für sich. Der Fisch ist der Fang des Tages, oft von den Besitzern selbst gefangen. Reservierungen sind in der Hochsaison oft Pflicht.

Im Inland, auch nah an der Küste, findet man noch Bergküche: Arrosticini aus Lammfleisch, Chitarra mit Lammragù, lokale Käsesorten. Diese Überlagerung von Meer- und Bergküche auf wenigen Kilometern Entfernung ist eine weitere abruzzische Besonderheit.

Praktische Tipps für einen Urlaub in den Abruzzen

Beste Reisezeit. Juni und September sind ideal: das Meer ist warm, die Strände weniger überlaufen als Juli und August, Preise meist günstiger. Juli und August sind Hochsaison, besonders an der Costa dei Trabocchi, wo Trabocchi-Restaurants Wochen voraus gebucht werden.

Anreise. Der Flughafen Pescara (Aeroporto d'Abruzzo) hat Direktflüge von mehreren europäischen Städten, auch aus Nordeuropa. Von Rom braucht man mit dem Auto etwa zwei Stunden bis Pescara, von Bologna etwa drei.

Fortbewegung vor Ort. Zum Erkunden der Küste ist der Zug zwischen den Hauptstädten praktisch. Für abgelegene Strände und das Inland ist das Auto am sinnvollsten. Der Radweg der Costa dei Trabocchi ermöglicht, den südlichen Abschnitt ohne Auto zu erkunden.

Unterkunft. Die ganze Küste entlang gibt es Unterkünfte aller Art: Hotels, B&Bs, Agriturismi und Ferienwohnungen. Unterkünfte im Inland, auch nah an der Küste, bieten oft besseres Preis-Leistungs-Verhältnis und authentischere Erlebnisse als Strandhotels.

✓ Reservieren Sie Trabocchi-Restaurants mindestens eine Woche voraus in Juli und August.✓ Für wilde Strände bei Vasto: geeignetes Schuhwerk für Fußpfade mitnehmen.✓ Das Wetter in den Abruzzen ändert schnell: halten Sie einen Plan B für Bergziele bereit.✓ Juni und September bieten beste Balance aus Klima, Preisen und Besucherzahlen.

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