Das Itria-Tal ist das weiße Herz Apuliens, eine Landschaft, in der die Geometrie der Trulli mit jahrhundertealten Olivenhainen im Dialog steht und kalkhaltige Steine in der Sonne funkeln. Dies ist kein Ort für jene, die Menschenmassen auf ausgetretenen Touristenpfaden suchen. Es ist ein Raum, in dem die Zeit im Rhythmus der Jahreszeiten verläuft, wo ein Landhaus inmitten von Olivenhainen zum Ausgangspunkt wird, um diese Region wirklich zu verstehen. Drei Tage hier bedeuten, die Luft der apulischen Landschaft zu atmen, geröstetes Brot aus Altamura zu probieren, Küchen von Frauen zu betreten, die Rezepte weitergeben, ohne sie aufzuschreiben.
Der erste Tag beginnt in Alberobello, der UNESCO-Welterbestadt, in der noch zweitausend Trulli bewohnt sind. Kommt nicht bei Sonnenuntergang, wenn Reiseveranstalter ihre Busse abladen. Kommt gegen Mittag, wenn das Licht klar ist und die Straßen noch ruhig. Steigt die Via Monteselvini hinauf zur Kirche Sant'Antonio, dann hinab durch enge Gassen, wo Bewohner ihre Wäsche zwischen weißen Steinen aufhängen. In einer der vielen Trattorien könnt ihr Orecchiette mit Rübenblättern essen, ein Gericht, das hier nicht Tourismus ist, sondern Frühstück von Feldarbeitern. Mittags sucht ihr Perbacco oder eine der kleineren Trattorien, wo die Speisekarte nicht geschrieben ist. Nachmittags entfernt euch in die umliegende Landschaft: dort werdet ihr verstehen, warum diese Trulli praktische Bauwerke waren, keine Dekoration.
Am zweiten Tag fahrt zu Locorotondo und Cisternino, zwei weiße Dörfer, die wie von einem Architekten entworfen wirken, der von Geometrie besessen war. Locorotondo, kreisförmig um den Hauptplatz gebaut, bietet Ausblicke auf das Tal, die sich an jeder Ecke verändern. Betretet die Kirche San Giorgio, steigt auf den Glockenturm, wenn ihr könnt. In Cisternino, dem echten Herzen des Tals, haltet am Mercato Vecchio, wo noch heute Hausbrot und Gemüse aus wenigen Kilometern Entfernung verkauft werden. Die Spezialität hier ist Orecchiette mit Ziegeneintopf, ein dichtes und altes Gericht. Besucht ihr zwischen Juni und August, findet ihr frische Mandeln an den Ständen; im Herbst getrocknete Feigen. Übernachtet in einem Landhaus zwischen den beiden Dörfern, in der Nähe von Ceglie Messapica: die nächtliche Stille ist absolut, und das Aufwachen bringt euch zum Hahnenschrei und zum Duft feuchter Erde.


